Bau eines Rundwebstuhls

Bau eines Rundwebstuhls

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Material:

  • 2 Balken 7 cm x 7 cm x 210 cm
  • 2 Balken 7 cm x 7 cm x 190 cm (Wichtig ist bei diesen Balken, dass sie abgerundete Kanten haben)
  • 2 Balken 7 cm x 7 cm x 100 cm
  • 2 Dachlatten (Stärke ist egal)
  • Einen Rundstab mit 20 mm
  • Einen Rundstab
  • Eine Stichsäge
  • Eine Bohrmaschine
  • Ein Handschleifgerät
  • Messwerkzeug, Bleistift oder Kugelschreiber

Die langen Balken sollten auf jeden Fall mindestens 2 m hoch sein, da diese die seitlichen Steher des Webstuhls sind -damit sie geben die Länge des Stoffs vor, da beim Rundwebstuhl (anders als beim Gewichtswebstuhl) nur eine begrenzte Stofflänge verfügbar ist. Die beiden etwas kürzeren Balken bilden den „Tuchbäume“ (zu den Fachbegriffen siehe Webstühle) ihre Länge bestimmt die maximale Breite des Stoffs. Dabei ist zu beachten, dass wir die Balken noch bearbeiten müssen und vom oberen Baum ca. 50 cm nicht nutzbar sind. Die zwei kürzesten Balken sind die Füße, die den Webstuhl nach hinten abstützen.

Die Steher und der obere Tuchbaum werden mit einer Nut- und Zapfenverbindung zusammengesteckt. Meiner Meinung nach bildet das den besten Kompromiss zwischen Authentizität und praktischen Nutzen, vor allem wenn man den Webrahmen später auch zerlegen und mit auf Lager nehmen will.

Zuerst habe ich am oberen Ende der Steher Zapfen mit einer Stichsäge gesägt. Dafür hab ich mir von jeder Seite 2 cm angezeichnet und von vorne die Dicke des Balkens der darauf kommt (in dem Fall 7 cm). Die 7 cm sind eine rein optische Angelegenheit damit die Steher am oberen Tuchbaum bündig verlaufen, man könnte sie auch länger oder kürzer machen. Dann noch mit der Stichsäge am Riss entlang sägen und fertig sind die Steher.

Wenn man sich unsicher ist, am besten die Zapfen etwas dicker ausschneiden und danach auf Passung schleifen. Die Zapfen sollten ziemlich genau stimmen, sonst gibt es später Probleme beim Zusammenstecken der Teile.

Dann kommen die Nuten im oberen Tuchbaum dran. Dafür zeichnet man sich links und Webstuhl3  rechts eine Nut mit den Maßen des Zapfens vor, in diesem Fall 7 cm x 3 cm. Wichtig dabei ist, dass die Nut mittig am Balken ist und ein bisschen größer ist als die Zapfen -dann kann man  die Verbindung lösen, auch wenn der Rahmen einmal nass werden sollte. Nach dem Vorzeichnen bohrt man (so dass sich die Außenkante der Bohrung mit dem Anriss deckt) an den 4 entstandenen Ecken jeweils ein Loch damit  man die Stichsäge ansetzen kann (Ø ca. 10 mm). Anschließend wird die Nut ausgeschnitten. Es kann passieren dass die Säge beim Sägen verläuft und die Nut unten schmäler wird als oben- wenn dass der Fall ist, dreht ihr den Balken um und sägt die Nut nochmals behutsam nach.

Damit die Konstruktion nicht umfällt, kommen jetzt die zwei jeweils einen Meter langen Balken ins Spiel: Sie werden wie im Bild zu sehen an den Stehern befestigt. Wir haben dazu völlig unauthentisch Scharniere verwendet. Sie sind kaum zu sehen und die ganze Konstruktion lässt sich einfach zusammenklappen. Als authentische Alternative könnte man auch hier wieder mit Nut und Zapfenverbindungen arbeiten, die dann natürlich schräg sein müssen.

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Als nächstes werden an beiden Stehern Rundstäbe befestigt, auf denen der Webstuhl6untere Tuchbaum zum Aufspannen aufgelegt werden kann. Wir haben 20 cm vom unteren Ende des Stehers entfernt angebracht. Fixiert werden sie, indem man ein Loch mit dem Durchmesser des Rundholzes in den Pfosten bohrt (in unserem Fall 20mm), Holzleim in das Loch gibt und dann die Rundhölzer mit dem Hammer reinklopft.

Der untere Tuchbaum stellt nicht besonders viel Arbeit da, wir haben lediglich zwei Rundstäbe als Führung angebracht, damit er später nicht hin und her wackelt. Um die Position der Rundstäbe zu ermitteln, misst man zunächst den Abstand der zwei Steher am oberen Tuchbaum.Webstuhl7.jpg

Der Abstand sollte beim unteren Tuchbaum natürlich gleich sein, wenn die ganze Konstruktion gerade steht. Dabei sollte man nur daran denken, dass nicht der Abstand von Mittelpunkt zu Mittelpunkt zählt, sondern der zwischen den beiden Außenkanten der Rundstäbe. Wenn man die richtige Position gefunden hat, heißt‘s wieder bohren, leimen, fertig.

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Das einzige was jetzt noch fehlt, sind die Litzenstabhalter. Dafür kommen jetzt die Dachlatten ins Spiel. Man schneidet zwei ca. 20 cm lange Stücke und zwei ca. 5 cm lange Stücke ab. Die werden dann wie unten zu sehen zusammengenagelt. Der Abstand des kurzen Klotzes vom Rand, sollte dem Durchmesser des Rundlings (der später zum Litzenstab wird) entsprechen. Mit dem Webrahmen werden die Halter genauso verbunden, wie die Steher mit dem oberen Tuchbaum. Dafür werden die Halter wie auf der Zeichnung zu sehen zugeschnitten. Ihre Position am Steher muss an die Größe des Webers angepasst werden. Man sollte die Höhe so wählen, dass der Litzenstab noch zu erreichen, aber auch nicht zu niedrig ist, damit man darunter noch weben kann, ohne sich hinknien zu müssen. Falls man sich mit Leinwandbindung nicht zufrieden geben will, muss man natürlich mehr Litzenstäbe anbringen.

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